Die Geschichte geht bis ins Jahr 2000 zurueck. Mitten in der Euphorie um das Human Genom Project machten sich jede Menge Ingenieure – Mechaniker, Optiker, Elektroniker, Firmwareentwickler, Designer, Chemiker, Biologen und Softwareentwickler daran, ein Messgeraet fuer den Einsatz im Bereich Genomics und Proteomics zu entwickeln. Viele von uns wurden aufgrund dieses Projektes neu eingestellt, einige alte Hasen uebernahmen die Navigation besonders in der Anfangsphase des Projekts.

Ich begann ziemlich genau vor 15 Jahren am 01. Juli 2000 meinen neuen Job und fand mich rueckblickend in einer nicht sofort verstaendlichen Situation wieder: Auf der einen Seite ein grosser internationaler Konzern, in dem damals schon viele Projekte international abliefen, wo es schwierig war, sich ein Bild davon zu machen, wer mit wem woran arbeitete. Zu einem guten Teil wurde da an Weiterentwicklungen von Flaggschiffprodukten gearbeitet. Auf der anderen Seite – und das war mein neues Arbeitsfeld – begann sich in einer Gruppe von ~60 Leuten eine Art Startup-Kultur , ein Gefuehl von Zusammengehoerigkeit zu entwickeln. Ich frage mich heute noch, wie diese im Einzelnen entstand. Sicher, wir hatten das Privileg, an einem Standort arbeiten zu koennen, ein nicht zu unterschaetzender Faktor. Es lag aber sicher auch an der Art und Weise, wie die alten Hasen die Gruppe formte: Wir wurden nicht zusammengesteckt zu einem Team, wir haben eine Form der Zusammenarbeit vorgelebt bekommen, die wir erstmal nur imitiert, spaeter verinnerlicht haben und das fuehrte dazu, dass wir uns gefunden haben, und das ohne Ansehen von Jobrollen, Funktionen oder aehnlichem.

Ich hatte zu Beginn etwas Angst, von kleinen Firmen mit gezwungenermassen grossem Umfang an persoenlichen Aufgaben und damit verknuepften Entscheidungen ueber eingesetzte Technologien und Vorgehensweisen kommend, in einem Konzern mit damals 44000 Mitarbeitern zu landen, wo ich nur Zahnrad im grossen Getriebe sein wuerde. Ich war bereits nach wenigen Wochen ueberrascht, an wievielen weitreichenden Entscheidungen ich mitentscheiden durfte, ja musste. Wir haben uns damals in allen Ingenieursdisziplinen an ziemlich viele neue Dinge gewagt, und wir sind hier und da auch gestrauchelt, neue Technologien zu beherrschen. Aber das Experimentieren, auf-die-Nase fallen und Wiederaufstehen wurde gefoerdert, meiner Erinnerung nach gab es da nie ein Hineinmanagen, immer ein Moderieren hin zur Loesung, zur Verbesserung. Parallel dazu wurde eine Atmosphaere geschaffen, um den Arbeitsbereich des anderen, andere Wissensdomaenen und damit die Welt der Kunden besser verstehen zu koennen. Z.B. wurden in der Softwaregruppe 2 Biologen eingestellt, die eine ganze Zeit lang Lerngruppen moderierten, um uns Ingenieuren die Welt von DNA, RNA und Zellen nahezubringen. All diese Rahmenbedingungen machten es moeglich, dass wir damals sowohl fachlich als auch persoenlich wachsen konnten.

Das Projekt ging keinesweg ohne Krisen und Konflikte ab. Da kam viel Wind von aussen auf uns zu: In kritischen Projektphasen wurden Leute und Budget reduziert. In solchen Momenten haben sich interessante Rituale entwickelt, eine Art Trauerarbeit on Speed: Die Gruppe stand desoefteren in solchen Momenten zusammen und man lies den Gefuehlen erstmal freien Lauf – kein verordnetes Weiter so. Konflikte entwickelten sich hauptsaechlich in den Bereichen, wo frueh in der Entwicklung Teilaspekte des Systems schon funktionieren mussten und es oft noch nicht taten. Interessant auch hier: Es wurde nicht hineingemanagt, statt dessen uebten wir uns in direkter Interaktion und Loesungssuche. Als Softwareentwickler einem Chemiker/Biologen zu erklaeren, warum dies oder jenes noch nicht funktioniert oder langsam ist, ist nicht leicht – da prallen Welten aufeinander. Wenn man aber durch eine solche Phase hindurch ist, kann man gemeinsam ueber das anfaengliche „Ich kann so nicht arbeiten!“ lachen. Entwickler und Chemiker/Biologen waren stolz auf das System, obwohl es nie perfekt war.

Das gilt uebrigens noch bis heute. Mehr als 10 Jahre spaeter habe ich den Eindruck, dass die Leute, die damals dabei waren, sich anders auf dem Gang gruessen. Ein Augenzwinkern zeigt „Wir waren dabei, wir wissen, wie es sich angefuehlt hat…“. Und so haben viele von uns gestern abend bei einer Jubilarsfeier zusammengesessen, alte und neue Geschichten ausgetauscht und dabei stand hin und wieder auch die Frage im Raum: Begeisterung in Projekten – wie entsteht die Magie?

Eine Teilantwort auf diese Frage liegt fuer mich aus heutiger Sicht in 3 Zutaten – angelehnt an Daniel Pink: Balance von Autonomie und Verbundenheit, die Moeglichkeit zu Wachsen und selbstentdeckter Sinn.

Und wenn Dich auch interessiert, wie Begeisterung in Projekten und im sonstigen Arbeitsleben entstehen kann, dann habe ich 2 Vorschlaege fuer Dich:

  1. Nimm das Stoeckchen auf und schreibe auch einen Blogpost ueber Dein Projekt des Lebens – Titel Das Projekt meines Lebens
  2. Wir wuerden uns sehr darueber freuen, Dich am 25. – 26. September auf dem PM-Camp Karlsruhe begruessen zu koennen, um den Austausch zu diesem und angrenzenden Themen weiterfuehren zu koennen.