Im März 2000 begann ich bei einem Optical Network Startup in Großbritannien (und später USA) zu arbeiten. Außer ca. 50 Seiten PowerPoint, einem Büro das noch verkabelt und gestrichen werden musste und Computern war nichts vorhanden.

In den folgenden 5 Monaten wurden ca. 130 Mitarbeiter aus 4 Kontinenten eingestellt (ca. 50% Softwareentwickler) und nach 21 Monaten haben wir erfolgreich die 1. Produktrelease eines Carrier Class Optical Switches auf den Markt gebracht (3 komplett neue ASICs, 8 komplett neue Circuit Boards, 2 Backplanes und mehrere Millionen Lines of Code). Weder davor noch danach habe ich jemals wieder ein Projekt erlebt, in dem ich jeden Tag mit so viel Begeisterung an meine bzw. unsere Arbeit gegangen bin.

Damals habe ich gelernt, dass Projekte in denen das Projektteam mit Begeisterung bei der Arbeit ist mit größerer Wahrscheinlichkeit erfolgreiche Projekte sind. Sowohl für die Mitglieder des Projektteams selbst, als auch für die Kunden, Geschäftsleitung, Dienstleister und Nutzer des Endprodukts. Bereits während der Projektlaufzeit geben solche Projekte den meisten Beteiligten etwas zurück – eine positive Energie, die sich u.a. in einer gesteigerten Motivation und Stressresistenz sowie einer höheren Zufriedenheit mit der eigenen und der Teamleistung zeigt.

Dieser Rückkopplungseffekt führt nach meiner Erfahrung zu einer verbesserten Qualität des Projektergebnisses bzw. Endprodukts. Die Kommunikation im Projektteam ist intensiver und weniger gestört, es werden weniger Fehler gemacht, es wird stärker an einem Strang und in die gleiche Richtung gezogen und jeder einzelne bringt sich mehr im Sinne des Ganzen ein – um nur einige der positiven Effekte zu nennen.

Erst Jahre und viele, teils mühsame Projekte später ist mir die Bedeutung des Erfolgsfaktors Begeisterung auch für mich persönlich wieder richtig klar geworden. Die Frage, ob es ein Rezept gibt wie man in Projekten gezielt Begeisterung erzeugen kann, treibt mich seitdem um. Vielleicht gibt es aber auch nur ein paar „Zutaten“ und ein „Rezept“ muss daraus für jedes neue Projekt neu gefunden werden.

Auf jeden Fall eine spannende Frage. Vielleicht komme ich der Antwort beim 1. PM Camp Karlsruhe wieder etwas näher.