Die Frage habe ich in leicht abgewandelter Form schon hin und wieder gehoert, wenn Menschen das erste mal auf ein Barcamp, ein OpenSpace-Event oder aehnliches gehen und sich dem scheinbaren Gruppenzwang durch andere Teilgeber ausgesetzt sehen, ebenfalls vor, waehrend und nach dem Event darueber zu twittern. Deshalb hier ein paar Gedanken dazu.

Zuersteinmal: Ein PM Camp ist ein partizipatives (Un)konferenz-Format. Es lebt davon, dass Menschen sich von der Einladung angesprochen fuehlen, teilnehmen wollen und letztlich auch aktiv zum Gelingen des Camps beitragen wollen. Bis hierher ist relativ viel Wollen und relativ wenig Muessen vorgekommen. Der Einfachheit bleiben wir dabei und sagen ganz klar: Auch Twittern sollte auf Wollen basieren und ist damit freiwillig!  🙂

Jetzt kommen wir aber vielleicht noch zur Frage dahinter: Warum koennte Twittern wertvoll sein fuer ein derartiges Event? Ein paar Punkte aus meiner eigenen Erfahrung:

  • Es sorgt vor dem Event dafuer, dass aus der thematischen Verbundenheit eine menschliche Verbundenheit entstehen kann. Durch das gegenseitige Sehen und Erkennen entsteht ein gewisses Grundvertrauen, zum einem Event zu gehen, wo man Gleichgesinnte und dennoch auf genug verschiedene Perspektiven und Erfahrungen trifft. Weiterhin kann thematischer Austausch dazu fuehren, dass das Event inhaltlich bereits vorbereitet wird: Was sind emergente Themen, was ist der Erfahrungsstand der anderen Teilgeber? Und zu guter letzt lassen sich eine ganze Reihe von Logistik-Dingen auf diesem Kanal erledigen – Fahrgemeinschaften, Hotelempfehlungen etc. In jedem Fall beginnt das Event nicht bei Null sondern bei „Ich kenn Dich schon aus meiner Twitter-Timeline“.
  • Waehrend des Events kann Twittern folgende Funktionen uebernehmen: Uebersprech-Effekte zwischen mehreren parallelen Sessions ingang setzen, Verbindung zu gleichzeitig stattfindenden thematisch aehnlichen Events herstellen, Signale aussenden an die oder von denen, die nicht dabei sein koennen, leichtgewichtige Session-Dokumentation sein, Feedback-Kanal fuer Organisatoren sein, thematische Anker fuer die Zeit nach dem Event sein und noch viele mehr, die mir gerade nicht einfallen…
  • Nach dem Event ist aus meiner Sicht die wichtige Funktion von Twitter, den Teilgebern aufzuzeigen, dass Communities auch zwischen (Un)konferenzen weiterleben koennen. Der „Danke, bis zum naechsten mal“-Tweet macht noch auf der Zugfahrt nach Hause deutlich, dass man vielleicht wieder eine neue Community gefunden hat, zu der man sich auch nach dem Event zugehoerig fuehlen moechte. Dann folgt man dem/der einen oder anderen noch, um ein wenig am Ball zu bleiben. Man geht an die eigenen naechsten Schritte vielleicht ein bisschen beherzter weil man sich als Teil einer Gemeinschaft weiss.

Hast Du Erfahrungen, Ideen, Fragen zum „Vernetzen im Netz“? Ab damit in die Kommentare. Wir sehen uns – auf Twitter und „in echt“.