Als wir uns im Frühsommer diesen Jahres zum diesjährigen Motto des PM Camps Karlsruhe entschlossen – Agil bis der Arzt kommt… – war das zu einem guten Teil eine spielerische Aufnahme des Themas, das uns Dr. Oliver Emmler in einer der Lightning Talks näher bringen wird: die Organisation von Einsatzeams in Hilfseinsätzen.

Anschliessend kam im Orga-Team schon hin und wieder die Frage auf, ob wir das Thema Projektmanagement nicht zu sehr eingeengt thematisiert haben. Doch in den folgenden Wochen geschah im deutschen Twitter- und Blogwald etwas interessantes: Das Thema wurde und wird von mehreren, auch ungewöhnlichen Seiten kontrovers diskutiert. Hier einige Quellen, die wir Euch gern als Impuls für unser PM Camp empfehlen möchten.

Bereits im Juni beschäftigte sich Marcus Raitner in seinem auch sonst sehr lesenswerten Blog Führung erfahren! mit dem Thema Agil und Projekt: Ein Widerspruch? Und er kommt zu einem Schluss, den ich derzeit selbst in einer eher gemächlichen Branche auch erlebe:

Gerade in schnelllebigen Branchen … sind Projekte als Methode der Veränderung zu langsam, egal wie agil sie sind.

Ein Hinweis darauf, dass es weniger um die Frage Agilität geht als darum, ob Projekte als Konstrukt zur Veränderung überhaupt in Frage stehen? Ein Hinweis darauf, dass Agilität möglicherweise doch, wie das unser Motto ebenfalls suggeriert, ein quantifizierbares Etwas ist? „Mit etwas mehr Agilität wären wir erfolgreich gewesen?“ Wer diesen Fragen noch ein wenig nachgehen möchte kann bei Marcus Reitner noch unter Die Vermessung der Agilität weiterlesen.

Mitte Juli schaltete sich dann das Manager-Magazin in die Debatte ein – mit eher leisen bescheidenen Tönen wie: Stoppt den Agilitätswahn! Unter anderem reflektieren in den folgenden Tagen Stefan Pfeiffer und Boris Gloger über das Artikelchen. Alle diese Artikel sind geprägt von einem Unmut über das Unechte, Facadenhafte – Worte, Methoden ohne Inhalt und Nichtvordringen zum Kern. Und vielleicht ist das ja etwas, was uns in diesem Themenkreis – Veränderung, Zukunft, Agil, Design Thinking etc. – immer erhalten bleiben wird. So intensiv und so lange wir nach dem Kern der Dinge weitersuchen – wir werden ihn nie erreichen, ideal formulieren können und in seiner Reinform beobachten können.

Die Debatte geht weiter. Im August schreibt Gunnar Sohn zum Thema Die säuische Agilitätswahn-Kontroverse. Und darin:

Woran es mangelt, sei die Routine mit und die Freude daran, in Unternehmen Haltungen und Verhaltensweisen zu praktizieren, die diese Prinzipien lebendig werden lassen.

Um das zu erreichen, könnte man Methoden zum Einsatz zu bringen, die in der aktuellen Diskussion gar nicht den agilen Methoden zugerechnet werden, die jedoch eine Haltung im Umgang miteinander voraussetzen und schulen, die den agilen Organisationsprinzipien in bester Weise entsprechen.

Dazu zählt Aulinger auch Open Space-Konzepte und Barcamps.

Ha, wer hätte gedacht, dass wir so schnell auch wieder beim Format des PM Camps sind. Das ist nämlich nicht nur ein Rahmen, um sich den Themen inhaltlich zu nähern. Darüber hinaus lassen sich die erwähnten Open Space-Konzepte einmal im „sicheren Lernraum“ erleben. Für den einen oder anderen soll das schon der Impuls gewesen sein, mit diesen Formaten später auch im eigenen Unternehmen zu experimentieren.