Seit einigen Jahren tolle ich ab und zu in Wellen herum. Dabei habe ich viele verschiedene Phasen durchlaufen und manchmal wiederholen sich diese immer wieder. Immer wieder muss ich neuen Mut aufbringen, bevor ich ins Wasser gehe, immer wieder komme ich an meine Grenzen, wenn das salzige Nass meine Haut berührt und immer wieder verbessere ich mich, wenn ich meine eigenen Grenzen respektiere.

Mut ja, aber alles mit Grenzen

Es gab eine Zeit, in der ich meine Komfortzone zu brutal verlassen habe, meine Limits nicht respektiert habe, mich unwohl im Wasser gefühlt habe und folglich sind mir hier und da auch mal echt blöde Unfälle passiert. Von zu viel Wasser schlucken, Schnitte durch messerscharfe Riffe, oder große blaue Flecken, war alles dabei. Die Folge davon war: Die nackte Angst. Ich verlor die Freude am Wellenreiten – genau das sollte doch nicht passieren. Eine Sache die mir so Spaß gemacht hatte und dann sowas. Ich hatte es mir selbst versaut.

Wie ich immer noch lerne meine Grenzen zu akzeptieren, um weiterhin meiner Leidenschaft nachgehen zu können

Irgendwann gestand ich mir ein, dass ich doch eigentlich nur Freude im Wasser haben möchte und versuchte zu verstehen, was da eigentlich mit mir passiert war. Ich habe, schlicht und ergreifend, eine sehr ungesunde Art und Weise zu lernen gewählt. Also war es nun an mir zu erkennen, wann ich unfair mit mir selbst war. Wo meine Grenzen waren und was ich genau brauche, um wieder effektiv lernen zu können.

Beim Reflektieren habe ich erkannt, dass ich mich definitiv viel zu lange außerhalb meiner Komfortzone bewegt hatte. Ich habe Tat auf Tat gestapelt, völlig unbedacht, ohne Blick auf meine aktuellen Bedürfnisse.

Soviel zu meiner Surf-Karriere – doch was hat das nun mit Agilität zu tun? Agilität ist ein großer Begriff, ich möchte mich hier also auf Scrum konzentrieren.

Wie Scrum Teams völlig überfordert werden und effektive Arbeit kaum möglich wird

Scrum Teams haben vor allem einen Sinn: sie sollten intelligente “Lerneinheiten” darstellen – mit einer nie endenden Lernkurve. Eine Zusammenkunft von Menschen, die effektiv, an einer komplexen Tätigkeit wächst und bestenfalls in einer Umgebung existieren kann, in der das alles möglich ist. Jetzt ist es so, dass komplexe Aufgabenstellungen, besondere Herausforderungen mit sich bringen – es ist nicht klar, wie diese bezwungen werden können. Wenn also Scrum Teams vor einer Herausforderung stehen, müssen sie sich selbst organisiert darum kümmern, einen möglichen Weg zu finden, sich dieser Herausforderung zu stellen. Wie bei mir, mit dem Wellenreiten. Ich muss entscheiden, wie ich mich der aktuellen Herausforderung stellen möchte, wie ich dieser am besten begegnen könnte, um möglichst viel aus einem Wellenritt zu holen.

Oft beobachte ich, wie Teams komplett überladen werden, Deadlines, politische Probleme, schwierige Abhängigkeiten (diese Liste könnte sich jetzt wirklich länger gestalten, aber ich bleibe mal bei diesen Beispielen) – das alles erstickt so oft, jegliche Kreativität und Effektivität im Keim. Die individuellen Bedürfnisse eines jeden Teams sind unglaublich wichtig, um ein Team überhaupt erfolgreich werden zu lassen. Sie sind quasi die Quintessenz, welche wir schöpfen möchten. Geben wir Scrum Teams diesen Freiraum, müssen sie sich erst einmal in Selbstorganisation üben. Machen wir dies falsch, ist Überforderung die Folge. Angst zu versagen – vor allem bei der radikalen Transparenz in Scrum – ist hier z.B. eins der größten Symptome, die ich beobachte. Eins von vielen anderen.

Fazit: Es ist essentiell für Teams, ein gesundes Herausgehen aus der Komfortzone zu gewährleisten. Ist dies nicht der Fall, wird nicht jedes Scrum Team liefern können.